Rückschau SundMehr am 27.03.09 (Wie real hätte ich es denn gerne? 24/7?)
14 Besucher des Gesprächskreises SundMehr trafen sich am 27.03.09 um sich über 24/7 Beziehungen und die Frage, wie real man es bei einer Session denn gerne haben will zu unterhalten. Passenderweise ergab sich noch vor Beginn ein lockeres Gespräch über Burn-Out; geht es hier auch darum, das richtige Maß zu finden, bei Leuten für die der Job alles ist. (wird ggfs. als Thema weiter verfolgt, bzgl. Welchen Stellenwert SM im Leben der Einzelner hat).
Als gleich zu Anfang in Verbindung mit der Vorstellungsrunde, die TeilnehmerInnen gebeten wurden, zu ergänzen ob sie selbst entsprechende Sehnsüchte kennen oder wie sie dazu stehen, stellte sich heraus, dass das Gros der Anwesenden entsprechende Sehnsüchte kannte. Jedoch glaubten die Wenigsten, dass dies lebbar ist, selbst im Falle eines Lottogewinns lehnte ein (dominanter) Anwesender den Versuch, 24/7 zu leben ab, weil das viel zu anstrengend sei. Ein leben lang Sklavin sein, konnte auch seine Partnerin sich nicht vorstellen.
Tendenziell hängt die ganze Frage daher ab, wie man 24/7 definiert, schien der Tenor zu sein. Obgleich manche weit weniger SM in ihrem Leben und ihrer Beziehung vorfanden, angesichts Alltäglicher Anforderungen z.B. aus selbständiger beruflicher Tätigkeit, fand eine Besucherin das ganze dann potentiell doch möglich, selbst bei einer Fernbeziehung, wenn eher Dominanz und Submission (DS) die Grundlage darstellt und weniger Sadomasochismus (SM) oder gar Bondage (BD). Nicht erörter werden konnte an dem Abend, wie es aussieht, wenn in der Fantasie eines Partners eben doch SM der bestimmendere Grundton ist, auf dessen Grundlage er dann eher gefügig, "submissiv" / "devot" "gemacht" werden möchte. Das ganze sei ohnehin eher eine DS-Sache ergänzte ein anderer. Es wurde an Aussagen vom letzten Treffen zum Thema "Strafe" erinnert: Schwierig, wenn einer aus der Rolle tanzt – für beide Seiten ein potentieller Absturz. SMige Sessions können bzgl. 24/7 eher kleine Blitzlichter sein, wobei die Grenzen eben ausgenhandelt werden müssen, wo kein Dom herum komme. Der Respekt vor der anderen Person stehe bei ihm über SM, betonte ein Anwesender. Letztlich müsse die oder der Dominante Part in der Beziehung auch erkennen, was dem Sub zuzumuten ist, ihn genau kennen und beobachten, um zu bemerken, wann eine SMige Aktion nicht angeraten oder gerade wichtig ist. Also, die absolute Verfügbarkeit ein weit entferntes Gedankenspiel und alles andere Verhandlungssache – wodurch sich die 24/7- von der 0/8/15 Beziehung mal wieder gar nicht unterscheidet und SMer sich wieder beziehungstechnisch im erotischen Normalbereich befinden – auch wenn es oft anders aussieht oder sich anfühlt.
Der Moderator zitierte noch einen Satz, aus einem Lehrbuch der Psychiatrie (K. Dörner, U. Plog. "Irren ist menschlich" Bonn, 1986; Kap. "Der sich und Andere versuchende Mensch"), der ihm beim Gedanken an 24/7 immer durch den Kopf geht:
"Viele Möglichkeiten, Träume und Wünsche werden schal, wenn wir sie in unsere Wirklichkeit einverleiben. Nur dadurch, dass wir sie jenseits unserer Grenzen halten, und die Spannung zwischen ihnen und uns akzeptieren und nutzen, können wir unsere Wirklichkeit in ihre Richtung ausweiten."
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